Eine G-Klasse hat schon in ihrer „normalsterblichen“ Form einen ganz eigenen Reiz und erreichte seit seiner Geburt 1979 schnell Kultstatus. Mit den Modellen AMG G 63 6×6 und dem G 500 4×42 hat Mercedes zwei äusserst spektakuläre Modelle heraus gebracht die nicht nur über alle Masse potent aussehen, sondern auch im Gelände brillieren und brachiale innere Werte vorweisen können. Nun gibt es eine gediegene Variante, die aber kaum an Potenz eingebüsst hat. Mit dem Mercedes-Maybach G 650 Landaulet wird die Maybach Offensive elegant-spektakulär fortgesetzt, und man kann sich nun durch unwegsames Gelände chauffieren lassen, und dabei eine Rückenmassage geniessen.

Mr. Hyde

Wie keine andere G-Klasse bisher, leidet der G 650 Landaulet unter einer starken Persönlichkeitsspaltung. Seine 5345 Millimeter Länge und der Radstand von 3428 Millimetern ist für eine Chauffeurs-Limousine nichts aussergewöhnliches, denn die Passagiere sollen luxuriös viel Platz bekommen, so auch beim G 650 Landaulet. Die Höhe von 2235 Millimetern, die den Durchschnitt der grössten Bevölkerungsgruppe der Welt, den Niederländern, um etwa 40 cm übersteigt, und die daraus resultierende Bodenfreiheit von knapp einem halben Meter sind für die Fahrzeugkategorie doch recht ungewöhnlich. Das rustikal-kantige Design der G-Klasse ist ebenso wenig typisch für eine Chauffeurs-Limousine, passt aber hervorragend ins Gelände.

Die aus den AMG G 63 6×6 und dem G 500 4×42 bekannten Portalachsen sorgen für 450 Millimeter Bodenfreiheit. Im Unterschied zu konventionellen Starrachsen, hat jedes Rad ein eigenes „Getriebe“, womit die Radbefestigung nicht an der eigentlichen Achse befestigt wird, sondern nach unten verschoben wird. Das erlaubt eine signifikante Erhöhung der Bodenfreiheit, ohne dass die Achsen gesenkt werden müssen. Elektrisch ausfahrbare Einstiegshilfen ermöglichen es auch den untalentiertesten Kletterern Platz im G650 Landaulet zu nehmen. Kotflügelverbreiterungen aus Carbon beherbergen die Räder, die wegen der Spurverbreiterung ansonsten weit ausserhalb der Karosserie ragen würden. Der Wagen verfügt zudem über Unterfahrschutz für vorne und hinten. Das Fahrwerk entspricht also weitestgehend dem des G 500 4×42 .

Reifen mit den Dimensionen 325 / 55 R 22 sollen den besten Kompromiss aus Geländegängigkeit und Strassenkomfort bieten. Die typischen drei zu 100% sperrbaren Differentiale, sowie die Geländeuntersetzung  aus dem Verteilergetriebe sind ebenfalls an Bord. Die Geländegängigkeit dieser Chauffeurs-Limousine ist über jeden Zweifel erhaben, und lässt im Gelände jedes handelsübliche SUV wie erbärmliches Spielzeug wirken.

Für ansehnliche Fahrleistungen spendiert man dem G 650 Landaulet die stärkste verfügbare Motorisierung. Der V12-Biturbo Motor M 279 mit sechs Litern Hubraum bietet eine Höchstleistung von 630 PS und stemmt bärenstarke 1.000 NM Drehmoment. Ein „V12 Biturbo“ Schriftzug auf den vorderen Kotflügeln weist dezent darauf hin was unter der kantigen Haube steckt. Der für diese Motorisierung typische verchromte Doppellamellen Kühlergrill mit verchromtem Gitter ziert die Front. In der Preisklasse interessiert der kombinierte Verbrauch von 17 Litern auf 100 Kilometern niemanden wirklich. Für einen cw-Wert wie eine Schrankwand mit aufgesetzten Blinkern und Reserverad ist der Wert bei der Motorisierung allerdings vergleichsweise niedrig.

Dr. Jekyll

Für standesgemässen Sitzkomfort sorgen die First-Class-Rücksitze aus der S-Klasse, für die es dank des um 578 Millimeter verlängerten Radstands ausreichend Platz gibt. Vielfach elektrisch verstellbar, können die Sitze bequem in eine Liegeposition gebracht werden. Als Aktiv-Multikontoursitze konzipiert, bieten die Sitze dank aufblasbarer Luftkammern hervorragenden Sitzkomfort und Seitenhalt, falls „James“ die Schräglage austesten sollte. Mehrere Massage-Programme, inklusive einer Hot-Stone-Massage, sorgen für die Wellness im harten Gelände. Die in der Länge und Schwenkbereich frei einstellbare Wadenauflage macht das Sitzkonzept vollkommen.

Zwischen den Sitzen befindet sich die grosse „Business-Konsole“. Diese beherbergt zwei Getränkehalter die auf Wunsch das Kühlen oder Wärmen von Getränken ermöglicht. Hinter den Getränkehaltern lässt sich eine Trennscheibe bedienen, die den Fond vom Fahrerabteil trennt, und sich auf Knopfdruck auch von transparent auf undurchsichtig ändern lässt. In der Mittelkonsole befinden sich zwei Klapptische, die sich mit einem Handgriff leicht ein- und ausklappen lassen. Mit Ledereinsätzen bestückt, bieten die Tische genug Platz um beispielsweise als Unterlage für Tablet oder Notebook zu dienen.

Eine Fond-Klimatisierung lässt sich mit Bedienelementen vor den Getränkehaltern steuern. Weiter vorne befindet sich das, nach dem Vorbild des G-Klasse Armaturenbretts nachempfundene „G-Cockpit“, dass allerdings nicht wie es sich auf dem ersten Blick vermuten lässt die Steuerung der Differentialsperren erlaubt. Eine der Tasten steuert die Innenbeleuchtung, während die zwei anderen dafür sorgen dass sich das Verdeck öffnet, oder schliesst. Ebenfalls nach dem Prinzip, befinden sich für jeden Fondpassagier je ein Haltegriff, und ein Handschuhfach in Reichweite. Auf der Quertraverse, die auch die Trennscheibe beinhaltet, sorgen zwei 10 Zoll grosse Bildschirme für hochauflösendes Individual-Entertainment.

Die hochwertige Designo Polsterung, die stets zweifarbig ist, ist in vier Farbkombinationen erhältlich, und kann mit drei verschiedenen Verdeckfarben, und vier verschiedenen Designo Lackfarben, darunter ein Mattlack, kombiniert werden.

Der Mercedes-Maybach G 650 Landaulet wird auf 99 Stück limitiert, und wird seine Weltpremiere und Verkaufsfreigabe auf dem Genfer Automobilsalon im März 2017 feiern. Die Markteinführung wird im folgenden Herbst statt finden. Der Preis für das Landaulet wird gewiss einige Einhundert-Tausend Franken betragen. Es kursieren Schätzungen von etwa 300.000 Franken, die mangels offizieller Angaben lediglich als Gerücht einzuordnen sind.

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Manuel Senn

Chef-Redaktor
Gründer von Swiss Daimler Addict, im "früheren Leben" Berufsmusiker, nun freischaffender Motor-Journalist, Fotograf und Möchtegern-Youtuber. Verbringt am liebsten seine ganze Zeit mit Automobilen - insbesondere Mercedes - und schraubt für sein leben gern, auch wenn die Wurstfinger desöfteren im Weg stehen. Besonders die alten Schätze sind seine Leidenschaft, aber auch die jungen und frischen Sterne können für Begeisterung sorgen.
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