Der neue Mercedes-AMG GT R: Entwickelt in der „Grünen Hölle“Der sportliche Musterknabe aus dem Hause AMG, der AMG GT (C190), hat nun einen noch schärferen Ableger. Dieser steht im Zeichen des Rennsports und trumpft mit einem leistungsgesteigerten Biturbo V8 Motor, einem umfangreich modifiziertem Fahrwerk, einer radikal verbesserten Aerodynamik und Optimierungen im Leichtbau.

Der neue Mercedes-AMG GT R: Entwickelt in der „Grünen Hölle“Der AMG-GT war bis vor kurzem das schärfste Messer im AMG-Block. Der AMG-GT S stellt dabei lediglich die stärkere Leistungsstufe dar, ist ansonsten nahezu identisch zum Standard GT. Der AMG-GT R, der erst kürzlich am 24.06. im britischen Brooklands vorgestellt wurde, hat allerdings umfangreich Überarbeitungen genossen. Die Erfahrungen aus dem Rennsport, vor allen Dingen von den Tourenwagenmeisterschaften mit dem AMG-GT 3 flossen in die Entwicklung mit ein.

Stärkerer Motor

Der neue Mercedes-AMG GT R: Entwickelt in der „Grünen Hölle“Auf den Rennsport getrimmt, leistet der M178 genannte Biturbo V8 Motor, der bereits im Standard GT, in der C-Klasse und der G-Klasse verbaut wurde. Mit seinen 585 PS leistet er 75 PS mehr als das bisherige Topmodell GT S, und stemmt 700Nm Drehmoment die bei 1900 bis 5500 Umdrehungen pro Minute anliegen.

Eines der Veränderung die für diese Leistungssteigerung vorgenommen wurden sind neue Turbolader mit geänderter Verdichterbearbeitung und kleinerer Wastegate-Steuerdose kommen. Der Ladedruck wurde von 1,2 Bar auf 1,35 Bar Ladedruck erhöht, wodurch eine Maximale Drehzahl vom 186.000 Umdrehungen pro Minute erreicht wird. Eine modifizierte Verdichtung und optimierte Auslasskanäle tragen ebenfalls dazu bei. Auch hier sind die Turbolader im „Hot-V“ Prinzip verbaut, was eine kompaktere Bauweise, spontaneres Ansprechverhalten und geringere Abgasemmissionen dank kurzer Strömungswege zu Folge hat.

Die aus der Formal 1 bekannte NANOSLIDE Beschichtung der Zylinderlaufbahnen kommen ebenfalls zum Einsatz. Diese Beschichtung ist deutlich härter als konventionelle Graugussbuchsen und damit verschleissärmer. Die Reibung wird ebenfalls reduziert, was dem Ansprechverhalten, und der Effizienz zugute kommt. Die Motorsteuerung, die Fahrpedalkennlinien wie auch die Getriebeparameter wurden umfangreich angepasst. Ein um 700g leichteres Zweimassenschwungrad trägt ebenfalls zu einem direkteren Ansprechverhalten bei.

Auch bei diesen Motoren bleibt AMG bei seinem Prinzip „One Man – One Engine“ treu.

„Form follows function, and function supports form“

Der neue Mercedes-AMG GT R: Entwickelt in der „Grünen Hölle“Die Aerodynamik Abteilung hat für den AMG-GT R sehr eng mit den Designern zusammen gearbeitet. Ziel der Designer war es einen Sportwagen aus der „Grünen Hölle“ zu entwerfen. Dazu trägt nicht nur die „AMG green hell magno“ getaufte Farbe bei. Die noch breiter wirkende Front, der durchaus ernst zu nehmende Heckspoiler, gepaart mit dem ohnehin geduckt-sportlichen Design des AMG-GT zeigt deutlich, der meint es ernst.

Der neue Mercedes-AMG GT R: Entwickelt in der „Grünen Hölle“Diese Designelemente dienen allerdings einem aerodynamischen Zweck. Zum einen wurde ein aktiver Unterboden entwickelt. Das aktive Aerodynamik-Profil, bestehend aus einem leichten Carbon-Element im Unterboden vor dem Motor, fährt im Race-Modus bei 80 km/h ca 40 Millimeter nach unten. Durch den Venturi-Effekt wird der Wagen an die Fahrbahn gesaugt, Bei einer Geschwindigkeit von 250 km/h soll dadurch der Auftrieb um 40 Kilogramm gesenkt werden. Dies kommt der Bodenhaftung und der Lenkung zugute. Der Wagen wird bei hohen Geschwindigkeiten agiler, und besser beherrschbar. Nebenbei wird der Luftwiderstand gesenkt.

Gleichzeitig werden die Abluftöffnungen des Motorkühlers geöffnet. Dadurch wird die Luftströmung gezielt in Richtung des doppelten Heckdiffusors geleitet, wodurch die Fahrstabilität an der Hinterachse verbessert wird. Dadurch wird ebenfalls kalte Luft zu den Radschüsseln geleitet wodurch die Bremsen gezielt gekühlt werden.

Der neue Mercedes-AMG GT R: Entwickelt in der „Grünen Hölle“Im unteren Bereich der Fronschürze befindet sich das aktive Luftregelsystem. Die elektrisch gesteuerte Lamellen des Systems sind in der Regel bei allen Geschwindigkeiten geschlossen, und verhindern dass die strömende Luft sich im Motorraum „verfängt“ und erhöht dadurch die Aerodynamik. Diese Luft wird gezielt zum Unterboden geleitet und unterstützt das aktive Aeodynamik-Profil. Erst wenn bestimmte Motorkomponenten einen erhöhten Bedarf an Kühlung haben, öffnen sich die Lamellen und erlauben eine maximale Kühlung des Motors.

Der neue Mercedes-AMG GT R: Entwickelt in der „Grünen Hölle“Auch das Heck wurde optimiert. Die grossen Entlüftungsöffnungen und die Vertikalen Sicken an der Heckschürze und der Doppel-Diffusor verbessern den Luftstrom. Durch den Doppeldiffusor wird die Wärmeabstrahlung der Schalldämpfer optimiert indem die warme Luft während der Fahrt durch den Fahrtwind abgesaugt wird. Der schmale Luftauslass zwischen den Heckleuchten führt nach dem selben Prinzip die Luft des Nachschalldämpfers ab. Der grosse starre Heckflügel kommt dem Anpressdruck zugute. Die Neigung kann präzise eingestellt werden.

Der neue Mercedes-AMG GT R: Entwickelt in der „Grünen Hölle“In der Summe erzeugen die aerodynamischen Massnahmen bei Höchstgeschwindigkeit einen um 155 Kilogramm höheren Anpressdruck im Vergleich zum AM-GT. Insgesamt hat der AMG-GT R auch einen niedrigeren Cw Wert.

Fahrwerk für Rennsport

Der neue Mercedes-AMG GT R: Entwickelt in der „Grünen Hölle“Der AMG-GT R wird mit einem Gewindefahrwerk ausgestattet. Dadurch kann der Fahrer mechanisch und stufenlos das Fahrwerk auf seine individuellen Bedürfnisse anpassen. Die adaptive Verstelldämpfung AMG RIDE CONTROL ergänzt das Fahrwerk indem die Dämpfung jeder Fahrsituation angepasst wird.

Für ein besseres Ansprechverhalten der Dämpfung wurde die ungefederte Masse des Fahrwerks reduziert. Hierfür wurden Dreieckslenker, Achsschenkel und Radträger an Vorder- und Hinterachse komplett aus geschmiedetem Aluminium hergestellt.

Der neue Mercedes-AMG GT R: Entwickelt in der „Grünen Hölle“Erstmals in einem AMG, kommt beim AMG-GT R eine aktive Hinterachslenkung zum Einsatz. Elektronisch gesteuert werden die Hinterräder bis zu einer Geschwindigkeit von 100 km/h bis zu einem Winkel von 1,5 Grad entgegengesetzt zu den Vorderrädern eingeschlagen. Dies erhöht gleichzeitig die Agilität, sowie die Fahrstabilität, die sonst eher gegensätzlich zueinander agieren. Über 100 km/h werden die Hinterräder parallel zu den Vorderräder eingeschlagen und dadurch der Radstand virtuell verlängert. Das hat bei hohen Geschwindigkeiten eine höhere Fahrstabilität zur Folge. Bei Richtungswechseln wird zusätzliche die Seitenkraft an den Hinterrädern deutlich schneller aufgebaut sodass die Hinterachse schneller auf Lenkbefehle reagiert.

Das serienmässige 3-stufige ESP System ist an der Programmierung des GT3 angelehnt und auch auf Rennsport ausgelegt. Das feinfühlig elektronisch geregelte Hinterachs-Sperrdifferential trägt ebenfalls dazu bei die fahrphysikalischen Grenzen weiter nach oben zu verschieben.

Rennsport in den Genen

Der neue Mercedes-AMG GT R: Entwickelt in der „Grünen Hölle“Vom Interieur Design, dass bei Mercedes als „ready to race“ charakterisiert wird, über die vielen Optimierungen und Neuentwicklungen bis hin zum Design ist alles beim AMG-GT R auf Rennsport ausgelegt. Sogar der Kühlergrill, der erstmals im GT3 zu sehen war, ist eine Hommage an den 300 SL der 1952 das lengendäre Panamericana Strassenrennen in Mexico gewann. Bis hin zur Farbe die ganz selbstbewusst „AMG green hell magno“ getauft wurde schreit alles nach Rennsport. Wir sind gespannt ob der AMG-GT R seine vielen Versprechen halten kann. Glaubt man Louis Hamiltons Aussage bei der Premiere, dann hat der AMG GT-R sich durchaus einen Platz neben seinen japanischen Namensvetter verdient.

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Manuel Senn

Chef-Redaktor
Gründer von Swiss Daimler Addict, im "früheren Leben" Berufsmusiker, nun freischaffender Motor-Journalist, Fotograf und Möchtegern-Youtuber. Verbringt am liebsten seine ganze Zeit mit Automobilen - insbesondere Mercedes - und schraubt für sein leben gern, auch wenn die Wurstfinger desöfteren im Weg stehen. Besonders die alten Schätze sind seine Leidenschaft, aber auch die jungen und frischen Sterne können für Begeisterung sorgen.
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