Am 5. März 1987, auf dem Automobilsalon in Genf, etwa zehn Jahre nachdem Mercedes die Coupés der C 123 Baureihe vorgestellt hatte, präsentierte Mercedes die Coupés der C 124 Baureihe der Weltöffentlichkeit. Die enge technische und stilistische Verwandtschaft mit der Limousine der jeweiligen Baureihe, hat das Coupé mit seinem Vorgänger gemeinsam. Die Technik und Ausstattung wurde grösstenteils von der Limousine übernommen. Kostruktiv und formal stellt das Coupé allerdings eine völlig eigenständige Variante dar. Ein verkürzter Radstand und eine gründlich überarbeitete Dachkonstruktion und Karosseriestruktur waren für das Coupé nötig. Lediglich der Vorbau und die Heckleuchten entsprechen der Limousine.

 

Zugunsten des Coupé-Charakters hatte man den Radstand um 85 mm gekürzt. Nach dem Vorbild des grossen Bruders, dem C 126, wurde die B-Säule entfernt. Diese Massnahme zog einige strukturelle Anpassungen mit sich. Die A-Säulen, die Seitenschweller und die Türen wurden verstärkt, sowie ein hoher Anteil an hochfesten Stahlblechen angebracht um auch beim Coupé die Sicherheitsstandards der Limousine zu erreichen. Aufgrund der fehlenden Befestigungsmöglichkeiten an der nicht vorhandenen B-Säule, wurde ebenfalls der Gurtbringer aus dem C 126 übernommen. Beim Dachabschluss beschritt Mercedes hingegen neue Wege. Die Innenverkleidung wurde ein Stück weit unter die Heckscheibe gezogen, und mittels eines dunklen Rasters im Überlappungsbereich kaschiert. Im Falle eines Unfalls, befanden sich so weder Blech- noch Scheibenkante im Kopfbereich der Fondpassagiere. Der Kopffreiheit kam dabei zugute, dass die Karosserie trotz der Coupéform relativ weit hinten abfiel, sodass den Passagieren mehr Platz zur Verfügung stand als man es bisher gewohnt war.

Zunächst war das Coupé als 230 CE mit Vierzylinder Benzinmotor, 132 PS und 198 Nm Drehmoment, und als 300 CE mit Sechszylinder Benzinmotor, 180 PS und 255 Nm Drehmoment erhältlich, was den Motorisierungen in den Limousinen entsprach. Äusserlich waren die Motorisierungen lediglich am Doppelrohrauspuff des Sechszylinders, und am Typenschild erkennbar. Beide Varianten wurden serienmässig mit einer Abgasreinigungsanlage mit Drei-Wege-Katalysator ausgestattet. Für einen Preisabschlag war eine so genannte „RÜF“ Version für beide Motorisierungen erhältlich, die ohne Katalysator und Lambdasonde ausgeliefert wurde, und über eine geringfügig höhere Leistung verfügte. Eine nachträgliche Nachrüstung einer Abgasreinigungsanlage war ohne Probleme möglich.

Im September 1988 profitierten die Coupés, wie auch sämtliche Modelle der 124er Baureihe, von einer erweiterten Serienausstattung, die einen elektrisch beheizten, und einstellbaren rechten Aussenspiegel beinhaltet. Aus der S-Klasse wurde die Scheibenwaschanlage übernommen mit dem Komplett beheizten System aus Wischwasserbehälter, Düsen und Schläuchen. Das Anti-Blockier-System (ABS) war beim 300 CE von Beginn an, und beim 230 CE ab Februar 1988 serienmässig dabei.

Im September 1989 wurde auf der IAA in Frankfurt die erste umfassende Modellpflege der 124er Baureihe präsentiert. Alle Modelle der 124er Baureihe bekamen die seitlichen Flankenschutzleisten, die beim Coupé von Anfang an montiert waren. Um den vielfach vermissten Chromglanz vergangener Tage etwas aufleben zu lassen, wurden die Flankenschutzleisten mit schmalen Zierleisten aus poliertem Edelstahl aufgewertet. Verchromte Zierstäbe an den Türgriffen, und leicht veränderte Radzierblenden brachten ebenfalls etwas Chromglanz zurück. Eine weitere Neuerung stellten die in Wagenfarbe lackierten Aussenspiegelgehäuse dar. Verbesserte Sitze und Detailverbesserungen im Innenraum rundeten die Modellpflege ab. Für etwas mehr Sportlichkeit sorgten die „Sportline“ Modelle mit tiefergelegtem Fahrwerk, Breitreifen und einer modifizierten Innenaustattung mit einem Sportline Lederlenkrad und -schalthebel. Ausserdem wurde auf der IAA eine neue Motorvariante für das Coupé vorgestellt. Der 300 CE-24 bekam den, aus dem SL der Baureihe R 129 bekannten Motor. Da konstruktionsbedingt beim C 124 nicht der gleiche Katalysator-Querschnitt verwendet werden konnte wie beim R 129, leistet der Motor beim 300 CE-24 lediglich 220 PS und 265 Nm Drehmoment, statt der 231 PS und 272 Nm Drehmoment beim 300 SL-24. Das stellt im Vergleich zum 300 CE immernoch eine Leistungssteigerung von satten 40 PS dar. Ab 1990 wurde ebenfalls ein 200 CE mit 118 PS und 172 Nm Drehmoment produziert, der allerdings dem Export nach Italien, Portugal und Griechenland vorbehalten blieb.

Im September 1992 wurde die zweite Modellpflege präsentiert, nachdem im Juni zuvor der 2.000.000ste 124er die Produktionsstätte verliess. Der Schwerpunkt dieser Modellpflege lag bei den Motoren und der Ausstattung. Bei den Vierzylinder-Varianten wurden die bewährten Motoren des Typen M 102 durch den neu entwickelten Typ M 111 ersetzt. Das Exportmodell 200 CE konnte aufgrund des gleichbleibenden Hubraums seinen Namen behalten, während der 230 CE umbenannt wurde in 220 CE. Obwohl die neuen Motoren mehr Leistung und ein höheres Drehmoment (136 PS, 190 Nm beim 200 CE, und 150 PS, 210 Nm beim 220 CE) über den gesamten Drehzahlenbereich brachten, konnte der Verbrauch gesenkt werden. Durch die Anhebung des Katalysatorvolumens konnten die Schadstoff-Emmissionen ebenfalls gesenkt werden. Was die Sechszylinder Modelle betrifft, wurden sowohl der 300 CE, als auch der 300 CE-24 durch den 320 CE ersetzt, der sich bereits in der S-Klasse der W 140 Baureihe bewährt hatte. Der Motor des 320 CE gehört immernoch zum Motortyp M 104, weist als E32 allerdings geänderte Masse für Bohrung und Hub auf. Dadurch leistet der Motor nun bei gleichbleibenden 220 PS ein Drehmoment von 310 Nm, dass 900 Umdrehungen pro Minute früher anliegt. Da sämtliche Motoren nun die gleiche Bohrung aufwiesen, konnte eine flexiblere und effizientere Fertigung erreicht werden. Die Serienausstattung wurde ab Oktober um elektrisch verstellbare Aussenspiegel für links und rechts, dem Fahrer-Airbag und einem 5-Gang-Automatikgetriebe erweitert.

Im Rahmen der neuen Nomenklatur wurden im Juni 1993 sämtliche Modelle stilistisch überarbeitet. Der 320 CE hiess beispielsweise nun E 320 Coupé. Desweiteren wurde die Kühlermaske nach dem Vorbild der S- und C-Klasse neu gestaltet und erhielt den Plakettenkühlergrill. Ausserdem wurden die gelben Blinkergläser durch farblose ersetzt. Ebenfalls geändert wurden die Radzierblenden, die seitdem ein 6-Loch Design bekamen. Zudem wurden die Schutzleisten der Stossfänger in der Farbe der Anbauteile lackiert, und bei der Schutzleiste des Heckstossfängers hatte man die Radausschnitte verlängert.

Für die Leute mit sportlichen Ambitionen, denen die Sportline Modelle nicht ausreichten, gab es nun einen E 36 AMG. Der von AMG getunte M104 3,6 Liter Vierventil-Motor leistete 265 PS und 285 Nm Drehmoment. Ein Jahr später wurde die Leistung bei gleichbleibendem Drehmoment sogar auf 272 PS angehoben. Mit AMG-Exclusiven Fronspoiler, Seitenschwellern und Heckschürze hob sich das Topmodell dezent von seinen Schwestermodellen ab. Serienmässige 17-Zoll Leichtmetallräder im AMG-Design rundeten das Gesamtpaket ab.

Ab 1994 wurde das Verkaufsprogramm um das E 200 Coupé erweitert, dass bisher nur für den Export nach Italien, Portugal und Griechenland vorgesehen war. Anderthalb Jahre später, im März 1996 endete neun Jahre nach Produktionsbeginn auch schon die Produktion des 124er Coupés. Ein Nachfolger kam erst Mitte 1997 mit dem C 208.

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Manuel Senn

Chef-Redaktor
Gründer von Swiss Daimler Addict, im "früheren Leben" Berufsmusiker, nun freischaffender Motor-Journalist, Fotograf und Möchtegern-Youtuber. Verbringt am liebsten seine ganze Zeit mit Automobilen - insbesondere Mercedes - und schraubt für sein leben gern, auch wenn die Wurstfinger desöfteren im Weg stehen. Besonders die alten Schätze sind seine Leidenschaft, aber auch die jungen und frischen Sterne können für Begeisterung sorgen.
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