D91F1596Das Experimentalfahrzeug C111 wurde niemals in Serie gefertigt, wurde aber dennoch zur Legende. Allem Anschein nach wollte Mercedes-Benz mit dem C112 nicht nur ein weiteres Experimentalfahrzeug schaffen, sondern auch die Legende und Tradition fortführen. Dabei wurde gewiss nicht gegeizt. Ein äusserst schnittiges, mutiges Design, ein bärenstarker V12 Motor und eine Fülle an technischen Neuerungen die bei seiner Premiere wie Science-Fiction wirkten machen den C112 zu einem Traum, der wie der C111 auch, nie Wirklichkeit wurde.

Gene aus dem Rennsport

C91F1574Nachdem Mercedes-Benz zusammen mit dem Sauber-Team 1990 mit dem C11 Rennwagen, dem ersten Rennwagen der seit dem W196 im Jahre 1955 offiziell den Namen Mercedes-Benz trug, die Weltmeisterschaft gewonnen hatte, war die Motivation gross eine Versuchsplattform für aktive Fahrdynamiksysteme zu entwickeln. Mit dem Ansporn, entwickelten die Ingenieure das Experimentalfahrzeug C112.

Ein grosses Herz

mercedes-c112-8Im Zentrum des C112 erzeugt ein 6,0-Liter V12 Motor (M120) 408 PS und 580 Nm Drehmoment. Dieser Motor wurde für die 1991 vorgestellte S-Klasse Baureihe W140 entwickelt, vermutlich als Antwort auf die V12 Offensiven von Jaguar und BMW, und sollte den C112 an die Grenze des damals Machbaren bringen.

Sci-Fi auf Rädern

IMG_8219Obwohl der V12 damals beim Publikum die Sensation war, machen die verborgenen technischen Neuerungen den Wagen erst richtig interessant.

Das „Active Body Control“ (ABC) getaufte aktive Fahrwerk sorgt für eine bisher unerreicht stabile Strassenlage. Hierfür wird jedes Rad mit einer Kombination aus Feder und hydraulischem Stellzylinder ausgestattet. Diverse Sensoren überwachen permanent sämtliche Fahrzeugbewegungen wie Hub, Wanken und Nicken. Ein Computer wertet diese Daten aus und steuert die aktiven Fahrwerkelemente um die Bewegungen sinnvoll zu kompensieren. Mit Hilfe der aktiven Hinterradlenkung werden weitere Störeinflüsse wie Seitenwind, Spurrillen, wechselnde Fahrbahngriffigkeit oder Lastwechsel kompensiert. Ein Anti-Blockier-System (ABS) sowie eine Antriebs-Schlupf-Regelung (ASR) ergänzen das äusserst umfangreiche Fahrsicherheitssystem dass in Sachen Sicherheitsreserven sogar damalige Hochleistungssportwagen übertraf.

Ein intelligentes Bremssystem verteilt je nach Situation den Bremsdruck zwischen Vorder- und Hinterachse. Ein Reifendruck-Kontrollsystem warnt den Fahrer bei Druckverlust in den Reifen. Ein Abstandswarn-Radar für vorausfahrende Fahrzeuge, zu jener Zeit teilweise neuartige Sensorsysteme für Lenkung, Kupplung, Bremse sowie Sitz- und Spiegelverstellung wurden ebenfalls verbaut.

Aktive Aerodynamik

Neben dem aktiven Fahrwerksystem hat der C112 ebenfalls ein aktives Aerodynamik-System. Der Bugflachspoiler sowie der Heckflügel sind stufenlos verstellbar und passen sich an die jeweilige Fahrsituation an um den besten Kompromiss aus geringem Luftwiderstand und Anpressdruck zu gewährleisten.

1991-Mercedes-Benz-C-112-Lift-Up-Spoiler-1280x960Im normalen Fahrbetrieb ruht der Heckspoiler als Bestandteil der Karrosseriestruktur und bietet so den besten Luftwiderstandswert ohne Auftriebsverhalten.  Im Grenzbereich fährt der Heckflügel innerhalb einer Zehntelsekunde nach hinten oben aus. In Extremfällen wird zusätzlich der Anstellwinkel angepasst sodass die Hinterräder ein Maximum an Anpressdruck, und dadurch höchstmögliche Griffigkeit erreichen. Der Bugflachspoiler arbeitet parallel zum Heckflügel und ermöglicht in Kombination höhere Seitenführungskräfte und einen deutlich erweiterten Grenzbereich. Bei starken Bremsmanövern  wird der Heckspoiler bei Bedarf blitzschnell aufgestellt und erhöht durch den dadurch erzeugten Luftwiderstand und den erhöhten Anpressdruck die Bremsleistung.

Fast so schön wie Fliegen

10C475_04Erstmals seit dem C111 hat Mercedes-Benz beim C112 als Hommage an den legendären 300 SL (W198) die legendären Flügeltüren verbaut. Ganz in der Tradition der „geflügelten“ Sportwagen von Mercedes-Benz, bietet auch der C112 nicht nur ein schnittiges, zeitloses Design, sondern auch eine zu der damaligen Zeit herausragende Technik.

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Manuel Senn

Chef-Redaktor
Gründer von Swiss Daimler Addict, im "früheren Leben" Berufsmusiker, nun freischaffender Motor-Journalist, Fotograf und Möchtegern-Youtuber. Verbringt am liebsten seine ganze Zeit mit Automobilen - insbesondere Mercedes - und schraubt für sein leben gern, auch wenn die Wurstfinger desöfteren im Weg stehen. Besonders die alten Schätze sind seine Leidenschaft, aber auch die jungen und frischen Sterne können für Begeisterung sorgen.
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