In Amsterdam hat Mercedes die neue A-Klasse vorgestellt. Nach 20 Jahren Modellgeschichte, und nach über drei Millionen Einheiten ist die neue A-Klasse ab Frühjahr in der vierten Generation erhältlich. Jung und dynamisch soll sie geblieben sein und dabei erwachsener und komfortabler denn je. Ein Spagat, an dem sich Automobil-Ingenieure regelmässig die Zähne ausbeissen. Dank einer neuen Motorenpalette kam auch das Thema Effizienz nicht zu kurz. Ebenfalls in Sachen Intelligenz, soll die neue A-Klasse einen satten Sprung nach vorne gewagt haben, dank S-Klasse Technik.

In Reih und Glied mit der neuen Designsprache

Die neue Designphilosophie der „Sinnlichen Klarheit“, zieht das Designteam rund um Gorden Wagener auch bei der neuen A-Klasse durch.

Bei der A-Klasse liegt die Betonung allerdings etwas mehr auf dem „Sinnlichen“ als die „Klarheit“. Schliesslich möchte Mercedes weiterhin die junge Klientel ansprechen. So fällt das Design recht sportlich und emotional aus. Die flachen LED-Scheinwerfern mit Chromelement und Tagfahrlichtfackel wirken entschlossen und leicht bedrohlich. Die Motorhaube fällt stärker nach vorne ab, und wirkt in Kombination mit dem markanten Kühlergrill mit traditioneller Zentrallamelle sportlich und dynamisch. Grosse Radhäuser bieten Platz für 16 bis 19 Zoll grosse Räder, die je nach Vorliebe den Wagen satter auf der Strasse stehen lassen. Der verlängerte Radstand streckt den Wagen optisch, was durch die seitliche Linie nochmals unterstützt wird.

Das Heck wirkt durch den starken Einzug des Greenhouse optisch breiter. Zudem werden die Schultern betont, wodurch der Wagen eine stärkere Präsenz erhält. Im Vergleich zum Vorgänger wirken die zweigeteilten Rückleuchten deutlich erwachsener, weniger verspielt und emotionaler. Die Rückstrahler sind in die modular aufgebauten Heckstossstange gewandert.

Emotion und Sportlichkeit war nicht die einzige Prämisse des Designsteams. Eine Stirnfläche von 2,19 m² und ein cw-Wert von 0,25 bringen die neue A-Klasse an die aerodynamische Spitze des Segments.

Dies ist nicht nur das Ergebnis einer sorgfältig entworfenen Karosserieform. Erstmals in der Kompaktklasse kommt ein zweiteiliges AIRPANEL zum Einsatz. Dabei handelt es sich um zwei Jalousiesysteme hinter der Kühlermaske, und unterhalb des Kontrollschilds, die sich je nach Kühlleistungsbedarf öffnen, oder schliessen.

Neue Wege im Inneren

Mercedes nennt das Innenraumdesign revolutionär. Und tatsächlich bricht es mit etablierten Gewohnheiten, und präsentiert sich dadurch mit einem neuen Raumgefühl.

Zunächst springt einem ins Auge, dass das Design, ganz nach der Designphilosophie der „Sinnlichen Klarheit“, vergleichsweise minimalistisch wirkt. Dank des neuen MBUX-Systems, zu dem wir gleich noch kommen, haben sich zahlreiche Bedienungselemente ins Digitale verlagert. Die Mittelkonsole wirkt dadurch aufgeräumter. Erst auf dem zweiten Blick, dann aber umso auffälliger, ist das Fehlen einer Hutze über der Instrumententafel, wodurch der Grundkörper der Instrumententafel sich nahezu frei von Unterbrechungen von einer Tür zu anderen erstreckt. Allein dadurch, dass das Innenraumdesign nicht durch eine Hutze unterbrochen wird, wirkt der Innenraum minimalistischer, aufgeräumter und hochmodern, fast schon futuristisch. Durch einen „optischen Graben“ wirkt der untere Volumenkörper fast so, als würde er frei im Wagen schweben. Ganz nebenbei wirken die zwei freistehenden Displays für sich äusserst modern. Die Displays werden in den Ausführungen mit zwei 7-Zoll-Displays, mit einem 7-Zoll- und einem 10,25-Zoll-Display, und zwei 10,25-Zoll-Displays erhältlich sein.

Die Lüftungsdüsen in sportlicher Turbinenoptik wollte Mercedes schon beim Vorgänger als neu, und frisch etablieren. Uns erinnern sie stark an das Lüftungsdüsendesign der 70er Jahre, was uns allerdings sehr gut gefällt. In der neuen A-Klasse wirken sie nochmals deutlich moderner. Die Ambientbeleuchtung lässt sich in 64 verschiedenen Farben individualisieren.

Trotz aller Moderne und „Jugendlichkeit“, ist das Platzangebot doch recht erwachsen geworden. Neben einer gestiegenen Schulter-, Ellenbogen- und Kopffreiheit, ist auch der Einstieg im Fond einfacher als beim Vorgänger. Die Familientauglichkeit profitiert vom Kofferraumvolumen, dass gegenüber seinem Vorgänger um 29 Liter auf insgesamt 370 Liter gestiegen ist. Dank der zweigeteilten Rückleuchten konnte die Ladeöffnung um 20 cm in der Breite erweitert werden. Zudem ist der Kofferraumboden um 11,5 cm länger als bisher. In Kombination mit dem Laderaum-Paket lässt sich sogar die Fondlehne steiler stellen, sodass beispielsweise sperrige Kartons besser Platz finden.

Auch vorne wurde mehr Platz geschaffen. Die „Spontanablage“ vor dem Schalthebel in der Mittelkonsole fällt nun grösser aus. In Kombination mit den Ausstattungslinien sind nun auch Cupholderauf dem Mitteltunnel für Becher, Dosen und Flaschen bis 0,5 Liter erhältlich. Der Fahrer profitiert dank der um 10% reduzierten Säulenverdeckung von einer verbesserten Rundumsicht.

Erstmals in der Mercedes Kompaktklasse ist Sitzklimatisierung, und ein Multikontoursitzpaket mit Massagefunktion für die vorderen Sitze erhältlich. Insgesamt gibt es drei verschiedene Sitze für die neue A-Klasse. Neben dem Basismodell, dem Komfortsitz kann mit der entsprechenden Ausstattungslinie ein sportlicher Integralsitz bestellt werden.

Ebenfalls von hoher Wichtigkeit für den Komfort im Inneren, ist ein niedriges Geräuschniveau. Neben einer wirksamen Isolierung des Fahrwerks von der Karosserie, spielt die Steifigkeit der Rohkarosse eine wichtige Rolle. Den Ingenieuren war die Steifigkeit der Anbindungspunkte zwischen Karosserie, Fahrwerk und Antriebsstrang, in Kombination mit der Gesamtsteifigkeit besonders wichtig. Durch die Erhöhung der Steifigkeit an den entsprechenden Punkten konnte der Geräuschpegel im Innenraum deutlich gesenkt werden. Das Geräuschdämmungskonzept schliesst ebenfalls eine gezielte Positionierung verschiedener Bauteile mit ein. So wurden Bauteile für das Luft- und Wassermanagement, sowie Verkleidungsteile im Interieur so ausgelegt, dass diese gleichzeitig isolierend wirken können. Ebenfalls die Windgeräusche wurden deutlich reduziert.

MBUX – Mercedes-Benz User Experience

In der neuen A-Klasse feiert das neue Multimediasystem MBUX seine Premiere. Bei MBUX handelt es sich um ein vollkommen modernisiertes, lernfähiges Bediensystem, dass sich mit künstlicher Intelligenz und Augmented Reality dem Nutzer gezielt anpasst. Der mittig gelegene taktile Bildschirm ist dabei zentrales Element des Bedienungskonzepts, dass durch eine moderne Spracheingabe mit natürlichem Sprachverstehen, die mit den Worten „Hey Mercedes“ jederzeit aktiviert werden kann, und dem Touchpad auf der Mittelkonsole ergänzt wird.

Die Instrumententafel kann der Fahrer ganz nach seinen Wünschen individualisieren. Ausgang sind dabei immer traditionelle analoge Instrumente, die vom System simuliert werden. So kann der Fahrer anstatt des Drehzahlmessers beispielsweise Informationen über spritsparendes Fahren einblenden, oder Informationen über die Strecke. Funktionen wie die Navigation oder der Trip Monitor können sogar über die ganze Breite eingeblendet werden, sodass der Fahrer die Karte, oder andere aktuell relevante Informationen stets im Überblick behält. Weitere Informationen können über einen Heads-Up-Display eingeblendet werden, der Informationen wie Geschwindigkeit, oder Drehzahlen in den unteren Teil der Windschutzscheibe projeziert.

Das „Gehirn“ des Systems, also die zentrale Recheneinheit, ist dabei so ausgelegt, dass sämtliche Eingaben oder Einstellungen eine flüssige optische Rückmeldung erhalten. Sämtliche Darstellungen, bis hin zu Echtzeitberechnungen von 3D Anwendungen, wie die Navigationskarte, oder die 3D Darstellung des eigenen Fahrzeugs laufen vollkommen flüssig.

Ebenfalls von zentraler Bedeutung dieses Systems ist die Konnektivität. Hierbei werden die Mercedes me connect Dienste durch eine Car-to-X Kommunikation erweitert, die es dem Fahrzeug erlaubt, mit anderen Fahrzeugen mit Car-to-X Fähigkeit diverse GPS gestützte Sensordaten auszutauschen, seien es Notbremsungen, ESP-Eingriffe, oder manuell eingegebene Systemmeldungen wie beispielsweise bei einem Unfall, die bei anderen Fahrzeugen auf der Karte vermerkt werden. Desweiteren verfügt das System über eine Fahrzeugortung, die es einem erlaubt gezielt das Fahrzeug wieder zu finden. Das System ist auch in der Lage dem Fahrer eine Nachricht zu schicken, falls das Fahrzeug angerempelt wurde, oder abgeschleppt wird.

Intelligenz und Sicherheit einer S-Klasse

Wie auch bei der Bedienung, schöpft die A-Klasse in Sachen Fahrassistenzsysteme aus den Vollen. Mit dem Systemumfang ist es sogar möglich in gewissen Situationen teilautomatisiert zu fahren. Verbesserte Radar- und Kamerasysteme sind in der Lage auf bis zu 500m voraus zu schauen. Die Fahrassistenzsysteme nutzen ebenfalls die Karten- und Navigationssysteme. So ist es beispielsweise möglich den Fahrer in diversen Situationen streckenbasiert zu unterstützten. Der aktive Abstands-Assistent DISTRONIC kann beispielsweise die Geschwindigkeit vor Kurven, Kreuzungen oder Kreisverkehren komfortabel zurücknehmen. Mit an bord sind u.a. der aktive Nothalt-Assistent, und ein aktiver Spurwechsel-Assistent.

Serienmässig wird die neue A-Klasse mit einem erweiterten aktiven Bremsassistenten ausgeliefert. Dieser ist in der Lage in diversen Situationen Auffahrunfälle mit langsam vorausfahrenden, anhaltenden und stehenden Fahrzeugen zu vermeiden. Das System ist auch in der Lage querende Fussgänger oder Velofahrer zu erkennen. Einen Schritt weiter geht das PRE-SAFE PLUS System, dass auch eine drohende Heckkollision erkennen kann. Bei stehendem Fahrzeug, wird bei einer drohenden Heckkollision das Fahrzeug festgebremst, wodurch das Risiko einer Verletzung sinkt, und der aufprallbedingte Vorwärtsruck minimiert wird.

Das aktive Sicherheitskonzept wird durch ein durchdachtes passives Konzept ergänzt. Jedes einzelne Bauelement der Rohkarosse wurde in Sachen Materialien, Materialstärke, Geometrie, Verbindungstechnik und Werkstoffqualität optimiert, um die bestmögliche Stabilität, bei möglichst geringem Gewicht zu gewährleisten. Im Kern des Konzepts steht eine hochfeste Fahrgastzelle, die dank hoch- und höchstfester sowie pressgehärteter Stahlbleche stabiler geworden ist. So werden die Insassen bei Frontal-, Seiten- und Heckkollisionen wie auch Überschlägen besser geschützt.

Strahlemann

Serienmässig wird die neue A-Klasse mit Halogen-Scheinwerfern mit integrierten LED Tagfahrlichtern ausgeliefert. Optional können LED High Performance Scheinwerfer geordert werden. Das Topmodell der Fahrbahnbeleuchtung in der neuen A-Klasse sind allerdings die ebenfalls optional erhältlichen MULTIBEAM LED Scheinwerfer. 18 einzeln steuerbare LEDs werden schnell und präzise elektronisch gesteuert, um das Fahrlicht an die aktuelle Verkehrssituation anzupassen, und die Fahrbahn präzise und hell auszuleuchten. Die tageslichtähnliche Lichtfarbe soll die Augen schonen, und sogar die Konzentration fördern.

Effiziente Antriebe

Die neue A-Klasse wird durchgängig neue, und effiziente Motoren erhalten. Unmittelbar nach dem Start werden drei Motorisierungen, darunter zwei Benzinmotoren, und ein Selbstzünder, erhältlich sein.

Als A 180 d wird die Selbstzündervariante bezeichnet, und kombiniert einen Vierzylinder-Dieselmotor (OM 608) der aus 1,5 Litern Hubraum eine Leistung von 116 PS und 260 Nm Drehmoment schöpft mit einem 7G-DCT Doppelkupplungsgetriebe. Ein Turbolader mit optimiertem Ansprechverhalten und Wasserladeluftkühlung, sowie ein motornahes Abgasreinigungssystem mit AdBlue Technologie sollen für eine bestmögliche Effizienz sorgen. Der kombinierte Kraftstoffverbrauch wird mit 4,1 l/100km angegeben.

Vierzylinder Dieselmotor OM 608 (A 180 d)

Vierzylinder Benzinmotor M282 (A 200)

Vierzylinder Benzinmotor M260 (A 250)

Ausserdem stehen zwei Benzinmotoren zur Auswahl. Unter der Bezeichnung A 200 (M 260) leistet der kleinere Benzinmotor mit 1,4 Litern Hubraum 163 PS und 250 Nm Drehmoment. Innovationen wie eine Zylinderabschaltung, und die Delta-Form des Zylinderkopfs flossen in diesem Motor ein. Zunächst in Verbindung mit einem 7G-DCT Doppelkupplungsgetriebe, liegt der Verbrauch bei 5,1 l/100km. Der grössere Benzinmotor unter der Bezeichnung A 250 (M 260), leistet mit seinen 2 Litern Hubraum 224 PS und verfügt über ein Drehmoment von 350 Nm. Neu bei diesem Motor ist unter Anderem die CAMTRONIC, eine Ventilhubumschaltung für die Einlasseite. Ebenfalls in Kombination mit einem 7G-DCT Doppelkupplungsgetriebe verbraucht diese Variante kombiniert 6 l/100km. Beide Benzinmotoren verfügen serienmässig über einen Partikelfilter.

Auf Wunsch ist das Allradsystem 4MATIC mit vollvariabler Momentverteilung erhältlich. Bei der neuen A-Klasse ist die weiterentwickelte 4MATIC sportlich ausgelegt, und soll effizienter sein. Stärker als bisher, lässt sich die 4MATIC über den DYNAMIC SELECT Schalter beeinflussen.

Teil der 4MATIC ist ein im 7G-DCT Getriebe integrierter Nebenabtrieb zur Hinterachse, und ein Hinterachsgetriebe mit Lamellenkupplung, die nicht mehr elektro-hydraulisch, sondern elektro-mechanisch betätigt wird.

Fahrwerk

Je nach Motorisierung, kann der Fahrer zwischen verschiedenen Fahrwerken auswählen. An der Vorderachse übernimmt die neue A-Klasse eine McPherson-Konstruktion. Die leistungsstärkere Motorisierungen, sowie sämtliche 4MATIC Varianten verfügen über eine aufwändige Vierlenker-Hinterachse, während die Einstiegsmodelle A 200 und A 180 d über eine Verbundlenker-Hinterachse verfügen. Vom Rohbau durch Gummilager entkoppelt um Geräusche und Vibrationen zu dämpfen, wird die Hinterachse von einem Fahrschemel getragen. Ein besonders hoher Anteil an Aluminium als Werkstoff für Fahrwerksteile trägt dazu bei, die ungefederte Masse deutlich zu senken, was dem Komfort zugute kommt.

Serienmässig wird ein Komfortfahrwerk mit Stahlfedern und DYNAMIC SELECT in Kombination mit 16-Zoll-Rädern ausgeliefert. Ein um 15 Millimeter tiefergelegtes Komfortfahrwerk bietet eine sportlichere Option, und verfügt über speziell abgestimmte Federn und Dämpfer.

The following two tabs change content below.

Manuel Senn

Chef-Redaktor
Gründer von Swiss Daimler Addict, im "früheren Leben" Berufsmusiker, nun freischaffender Motor-Journalist, Fotograf und Möchtegern-Youtuber. Verbringt am liebsten seine ganze Zeit mit Automobilen - insbesondere Mercedes - und schraubt für sein leben gern, auch wenn die Wurstfinger desöfteren im Weg stehen. Besonders die alten Schätze sind seine Leidenschaft, aber auch die jungen und frischen Sterne können für Begeisterung sorgen.
Share This