795680b91f528Im Januar 1991, also vor 25 Jahren, hat Mercedes-Benz auf der NAIAS das Forschungsfahrzeug F100 der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Fahrzeug ist das erste Projekt dieser Dimension und das Ergebnis vieler neuer Ideen und Innovationen von Designern und Ingenieuren.

Der F100 stellt den Vorläufer den vernetzten Fahrzeugs dar. Ein Thema dass heute aktueller denn je ist.

Der erste, aber doch nicht der erste
Mercedes-Benz C111

Mercedes-Benz C111

Es war natürlich nicht das erste Forschungsfahrzeug von Mercedes-Benz. Wenn man denn so will, markiert der Patent-Motorwagen den Anfang dieser traditionsreichen Reihe. Das wohl prominenteste Forschungsfahrzeug dürfte der Sportwagen mit der Werksbezeichnung C 111 sein, der eine derartige Begeisterung auslöste dass solvente Kunden Blanko-Schecks unterschreiben liessen. Leider ging dieser Sportwagen dennoch nie in Serie.

Der F100795658b90f1876 wird als erstes Forschungsfahrzeug angesehen dass ein vollständiges Konzept darstellt. Während der C111 ein Erprobungsfahrzeug für diverse Motoren, wie beispielsweise einem Wankel-Motor, oder leistungsstarke Diesel-Motoren war, sollte der F100 Ideen und Innovationen in allen Apekten vereinen. In dem Sinne begründet der F100 die exclusivste Modellreihe der Marke Mercedes-Benz.

Lange Liste an Neuerungen
Mercedes-Benz Typ F 100 Experimentalfahrzeug.

Mercedes-Benz Typ F 100 Experimentalfahrzeug.

Im Innenraum bot der F100 eine Fülle an Ideen zur Verbesserung der Ergonomie. Beispielsweise ermöglichen Dreh-Schwenktüren ein leichteren Ein- und Aussteigen. Teile vom Dach und Boden sind dabei Bestandteil von den Türen und bieten so dem Fahrer und den Passagieren mehr Platz und Bewegungsfreiheit beim Ein- und Ausstieg. Mechanische  Schliessmechanismen sorgen anschliessend dafür dass alle Türen sicher verschlossen sind was der Sicherheit zugute kommt. Ebenfalls wird so die „schlanke Taille“ am Fahrzeugboden und das Fehlen der B-Säule kompensiert und eine steife Karrosserie gewährleistet.

Das Mercedes-Benz Experimentalfahrzeug F 100 vorgestellt auf der Detroit Motor Show 1991, enthält viele neue Sicherheitskonzepte.

In Anbetracht dessen, dass statistisch gesehen 1,2 bis 1,7 Personen im Fahrzeug platz nehmen, wurde der Fahrersitz in die sicherste Stelle platziert – der Fahrzeugmitte. Die Passagiere nehmen sitzen also links und rechts hinten versetzt vom Fahrer. Zwei weitere Passagiere haben zwischen den beiden stabilen hinteren Radhäusern Platz. Dieses Konzept wurde nach umfangreichen Unfall- und Sozialforschungsergebnissen entwickelt.

Das vernetzte Auto war auch schon damals ein Thema in der Forschungsabteilung. So fand ein Telefonsystem mit Sprachsteuerung Einzug ins Bordsystem. Ein zentrales Diplay blendet dem Fahrer die jeweils in den Situationen entscheidenden Informationen an. Die sind beispielsweise Geschwindigkeit, Warnhinweise zum Verkehrsgeschehen oder Fahrzeugzustand, oder Informationen von der automatischen Reifenkontrolldrucküberwachung. Eine Rückfahrkamera, ein Abstandswarn-Radar dass sowohl den Verkehr vor dem Fahrzeug, als auch hinter das Fahrzeug beobachtet und ein Vorläufer des Totwinkelassistenten gehören zu den Systemen. Sogar ein Spurhalteassisten gehört zu den Innovationen des F100.

Mercedes-Benz Typ F 100 Experimentalfahrzeug. Erste Tests der Aerodynamik im virtuellen Windkanal.

Mercedes-Benz Typ F 100 Experimentalfahrzeug.

Zugang zum Fahrzeug erhält man mittels einer Chipkarte. Fahrersitz und Lenkrad sind elektromotorisch einstellbar. Ein Mobilfax-Gerät und ein fest eingebauter Personal Computer machen den Wagen Bürotauglich.

Licht durch Entladung

Die Fahrbahn leuchtet der F100 erstmals mit einer Gasentladungstechnik, die später als Xenonscheinwerfer bekannt werden soll. Ebenfalls die Rückleuchten stecken voller Innovationen. Diese werden indirekt mittels transparenter Prismenstäbe über Lichtleiter von einer zentralen Lichtquelle beleuchtet. Je nach Funktion kann diese Lichtquelle verschiedene Farben zu den Rückleuchten leiten.

Erstmals baut Mercedes-Benz in einem PKW einen Forntantrieb ein. Verschiedene Motorenkonzepte, darunter ein Wasserstoffverbrennungsmotor werden hatten die Ingenieure für den F100 untersucht. Ein sogenannter Sandwichboden, der später in den A-Klasse Baureihen W168 und W169 Einzug halten sollte, wurde entwickelt.

Die vielen Innovationen und Technologien die in den F100 vereint wurden wollten zum grössten Teil in den nächsten Jahren in den diversen Serienfahrzeugen der Marke Mercedes-Benz einzug halten.  Traditionell stellt Mercedes-Benz regelmässig weiter Forschungsfahrzeuge vor mit verschiedenen Schwerpunkten.

Diese Forschungsfahrzeuge können im mercedes-Benz Museum in Stuttgart besichtigt werden.

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Manuel Senn

Chef-Redaktor
Gründer von Swiss Daimler Addict, im "früheren Leben" Berufsmusiker, nun freischaffender Motor-Journalist, Fotograf und Möchtegern-Youtuber. Verbringt am liebsten seine ganze Zeit mit Automobilen - insbesondere Mercedes - und schraubt für sein leben gern, auch wenn die Wurstfinger desöfteren im Weg stehen. Besonders die alten Schätze sind seine Leidenschaft, aber auch die jungen und frischen Sterne können für Begeisterung sorgen.
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