16055Im April 1996 hat Mercedes-Benz auf dem Turiner Automobilsalon einen besonderen kleinen Roadster vorgestellt mit einer zu der damaligen Zeit spektakulären Besonderheit der einen Trend auslösen sollte. Die Rede ist natürlich vom SLK der ersten Generation, dem R170. Viele andere Hersteller kopierten das Konzept. Das Besondere blieb aber immer beim SLK.

Der geneigte Automobilhistoriker entgegnet gerne, dass Mercedes gewiss nicht der erste gewesen sei der ein Stahlklappdach in ein Automobil einbaute. Das erste Fahrzeug mit einem Stahlklappdach war der Peugeot 301 Eclipse von 1933. Als geistiger Urahn dürfte allerdings der für seine Zeit kompakte 190 SL (W121 B II) Roadster von 1955 sein, der damals wie heute als Frauenversteher galt.mbslk01sAllerdings vermochte der SLK in allen Bevölkerungsgruppen Begeisterung auszulösen und eine neue Fahrzeuggattung zu etablieren. Einen derart kompakten Sportwagen hat es von Mercedes noch nie gegeben, erst recht nicht mit dem fabelhaften Variodach.

Die Entstehung

Mercedes-Benz stellte bereits 1994 eine Studie des SLK vor, die schon damals einschlug wie eine Bombe. Die unter der Regie des Design-Chefs Bruno Sacco entworfene Studie stellte schon eine sehr seriennahe Version des kommenden SLKs. Die grundlegenden Proportionen, die „Powerdomes“ auf der Motorhaube, die als Hommage an den legendären Urvater als SLs, dem 300 SL Flügeltürer (W198) gedacht waren, und diverse Designelemente entsprachen weitestgehend dem Serienmodell.

Mercedes-SLK-Klasse-Concept-1994-Photo-02Die Ingenieure bei Mercedes arbeiteten auf Hochtouren an den kleinen Roadster.In einer zweiten Version der Studie aus dem selben Jahr wurde das ausgeklügelt Variodach vorgestellt. Das Variodach forderte am meisten „Hirnschmalz“ und stellte das Zentrum der Bemühungen dar. Weitere Austattungsmerkmale wie Automatik-Getriebe, Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Autoradio und mehr, zeigten im Vergleich zur ersten Version der Studie dass auch ein kleiner Roadster gut ausgestattet sein kann.

Noch ehe der SLK in Serie ging, gab sich der SLK als Trendsetter. Schon die Studien zeigten dass ein Roadster klein und sportlich sein kann, aber gleichzeitig Komfort und Sicherheit bieten kann. Was vielen wie eine begehrenswerte Verheissung schien, wurde knapp 1 1/2 Jahre später Realität.

Der SLK war geboren

1067967f96f4990_05Im April 1996 wurde der fertig entwickelte SLK endlich der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Highlight war natürlich das voll versenkbare Variodach, dass dank einer intelligenten Elektrohydraulik in 25 Sekunden unter dem Heckdeckel verschwand und aus dem Wagen einen Ganzjahreswagen machte. Obwohl die Platzverhältnisse im Kofferraum bei offenem Dach nicht sehr üppig aber dennoch recht annehmbar sind, so beeindruckt das Volumen bei geschlossenem Dach. Zwei feststehende Überrollbügel und diverse weitere Sicherheitsmassnahmen, die aus den Regalen der C-Klasse (W202) stammen, sorgen für die nötige Sicherheit.

mercedes-benz-baureihen-slk-klasse-roadster-r170-1996-2004-sportlich-leicht-kurz-kleiner-roadster-als-pendant-zum-grossen-mercedes-benz-sl-79049Ungewohnt für einen Mercedes war die Sportlichkeit des SLKs. Dafür sorgen auch die zwei, ebenfalls von der C-Klasse entnommenen Motorvarianten. Ein SLK 200 mit 136 PS und 190 Nm Drehmoment, und ein SLK 230 mit Kompressoraufladung und 193 PS und 280 Nm Drehmoment sorgen für reichlich Vorschub. Den speziellen Umweltverordnungen von Italien, Griechenland und Portugal geschuldet, wurde noch ein SLK 200 Kompressor mit 192 PS und 230 Nm Drehmoment gebaut, der jedoch nur in den genannten Ländern ausgeliefert wurde.

mercedes-benz-baureihen-slk-klasse-roadster-r170-1996-2004-sportlich-leicht-kurz-kleiner-roadster-als-pendant-zum-grossen-mercedes-benz-sl-79076Mit der Modellpflege im Jahr 2000 wurden kleinere Verbesserungen in der Technik, und Aktualisierungen in der Optik des Wagens eingeführt. Leicht veränderte Schweller und Schürzen sowie Blinker in den Aussenspiegelgehäusen stellen die markantesten Veränderungen dar. Zudem wanderte das doch recht auffällige Schloss am Kofferraumdeckel an eine dezentere Stelle, neben der Griffmulde über dem Nummernschild. Für noch mehr Sicherheit wurde das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) zur Serienausstattung ergänzt.

IMG_20151117_131243Ebenfalls die Motorenpalette wurde aktualisiert. Beide Vierzylinder waren seitdem mit Kompressor ausgestattet, wobei der SLK 230 Kompressor von einer leichten Leistungssteigerung profitieren kann. Zu den Reihen Vierzylinder Motoren gesellte sich auch der aus C- und E-, und S-Klasse bekannte V6 Motor mit 3,2 Litern Hubraum und stemmt 218 PS und 310 Nm Drehmoment im SLK 320. Dank der Doppelzündung, also 2 Zündkerzen pro Zylinder, erreichte der V6 ähnliche Verbrauchswerte wie der 230 Kompressor. Dies bescherte dieser Motorvariante vergleichsweise gute Verkaufzahlen.

mercedes-benz-baureihen-slk-klasse-roadster-r170-1996-2004-sportlich-leicht-kurz-kleiner-roadster-als-pendant-zum-grossen-mercedes-benz-sl-79058Im Hause AMG wurde der 320er zusätzlich mit einem Kompressor versehen, und leistet fortan im SLK 32 AMG satte 354 PS und 450 Nm Drehmoment. Dank speziell für die AMG Version modifizierter Schürzen, Stossfängern und Schwellern strahlte diese Version sogar mehr Sportlchkeit aus. Zusätzlich gehörten AMG Felgen und eine kleine Abrisskante zum sportlichen Paket dazu.

Kultiges Klappdachcabrio

mercedes-benz-baureihen-slk-klasse-roadster-r170-1996-2004-sportlich-leicht-kurz-kleiner-roadster-als-pendant-zum-grossen-mercedes-benz-sl-79075Oft wird der SLK etwas herbalassed als Frauenauto bezeichnet. Gründe können die kompakten Ausmasse, die begrenzten Platzverhältnisse im Innenraum, das freundliche Gesicht des SLKs sein oder doch die Gene seines 190 SL Frauenverstehers sein. Der kleine Sportler aus dem Hause Mercedes-Benz konnte aber nicht nur Frauenherzen für sich gewinnen, denn im Inneren ist er erwachsen und wohl durchdacht. Spätestens mit dem 354 PS starken AMG dürften Männerherzen höher schlagen. Zwei stark limitierte Mille Miglia Editionen, eine Special Edition und eine abschliessende Final Edition bringen auch ein Stück Exclusivität in den SLK. Unter anderem dank des Stahlklappdachs, dass in Aktion heute noch Passantenblicke magisch anzieht.

Mercedes-Benz-Roadster-190-SL-SLK814565_1499545_4328_7800_10A1270Seine kompakten Ausmasse, seine durchdachte Technik und sein freundliches Gesicht sorgten dafür dass der SLK schon mit zarten 10 Jahren als Klassiker diskutiert wurde. Mit seinen nun 20 Jahren dürfte es ausser Frage stehen dass der SLK der Baureihe R170 den Status eines Klassikers inne hat. Mit 311.222 verkauften Exemplaren des SLKs, landete Mercedes-Benz jedenfalls einen vollen Erfolg und ist somit ein würdiger Vertreter in der Familie der kompakten Sportler von Mercedes-Benz.

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Manuel Senn

Chef-Redaktor
Gründer von Swiss Daimler Addict, im "früheren Leben" Berufsmusiker, nun freischaffender Motor-Journalist, Fotograf und Möchtegern-Youtuber. Verbringt am liebsten seine ganze Zeit mit Automobilen - insbesondere Mercedes - und schraubt für sein leben gern, auch wenn die Wurstfinger desöfteren im Weg stehen. Besonders die alten Schätze sind seine Leidenschaft, aber auch die jungen und frischen Sterne können für Begeisterung sorgen.
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